Lectrix – Notizen einer Leserin

19. Oktober 2007

Radek Knapp: Herrn Kukas Empfehlungen

Filed under: Radek Knapp — Lectrix @ 7:40

Dieses Buch wurde mir vor kurzem an einem gemütlichen Abend von meiner Gesprächspartnerin empfohlen, nachdem wir uns schon eine Weile über diverse Bücher, die wir beide gelesen hatten, austauschten und dabei fest stellten, dass wir dieselben Vorlieben zu haben schienen. Als ich Anfang der Woche also wieder in der Bibliothek war, hielt ich darum gezielt danach Ausschau.

Nach der Lektüre kann ich mich für diese Emfehlung nur bedanken, die sich als wesentlich zutreffender erwies, als die Empfehlungen Herrn Kukas, nach denen das Buch benannt ist.

»Sagt Ihnen vielleicht das Hotel Vier Jahreszeiten etwas? Ihr Freund, Herr Kuka, hat es mir nämlich empfohlen.«
»Oh! Das ist ganz nah.« Er [Pfarrer und die von Herrn Kuka empfohlene, erste Kontaktperson] zeigte auf die Wand, wo das Kreuz mit Jesus Christus hing. »Gleich auf der anderen Straßenseite.«
»Auf der anderen Straßenseite ist nur irgendein Schloß. Ich habe es vom Busfenster aus gesehen.«
»Genau. Das Belvedere.«
»Und dort ist das Hotel Vier Jahreszeiten? Herr Kuka sagte, es kostet nichts.«
»Das stimmt auch. Denn im Belvedere ist ein Park. Und in dessen Westteil wiederum ist ein Springbrunnen, in dem vier Marmorgrazien stehen und die vier Jahreszeiten symbolisieren. Dahinter ist eine Hecke mit einer Parkbank. Das hat Herr Kuka wohl gemeint.«
Meine Beine gaben nach. Ich hätte mich beinah doch hingesetzt. Das schlug dem Fass wirklich den Boden aus. Alles, was Herr Kuka erwähnt hatte, verwandelte sich auf wundersame Weise ins Gegenteil. Der Dream Travel war ein Kühlschrank, mein Glücksbringer ein Schmuggelversteck und das Hotel Vier Jahreszeiten eine Parkbank.
(Radek Knapp: Herrn Kukas Empfehlungen, 2. Auflage, München: Pieper 1999, S. 58)

Und damit ist es mit den Ernüchterungen, die der Ich-Erzähler Waldemar bei seinem Wien-Besuch erfahren muss, noch lange nicht genug, denn der Westen erweist sich als ganz anders als der Westen, den er sich in Polen bei seinen Reise-Vorbereitungen ausgemalt hat und den Herr Kuka beschrieb.

Radek Knapp schrieb einen eigentlich leicht und locker zu lesenden Roman, der einem aber zwar einerseits höchst vergnügliche Lektüre bietet, andererseits jedoch schon auch gängige Vorurteile bewusst und auf soziale/politische Missstände aufmerksam macht.

Mir gefiel diese Mischung ausgesprochen gut.
Ich kann das Buch meinerseits also ebenfalls empfehlen.


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